Wir brechen in den Cameron Highlands auf und machen uns auf den Weg nach Georgetown auf der Penang Island, die an der noerdlichen Westkueste Malaysiens liegt. Nach einer fuenf-stuendigen Busfahrt setzen wir mit einer alten Faehre ueber. Das Festland und die Insel sind sogar mittels einer 13,5 km Bruecke verbunden. Georgetown ist die Hauptstadt der ca 285m2 grossen Insel und wird als Weltkulturerbe gefuehrt.
Bei der Ankunft schuettet es wie aus Kuebeln, es ist kein Tuk Tuk oder Taxifahrer dazu zu ueberreden, sich zu seinem fahrbaren Untersatz zu bewegen und uns in unsere Unterkunft zu bringen. Also, wir gehen zu Fuss!
Wir wohnen in einer
netten Unterkunft, mitten in der Stadt, aber trotzdem relativ ruhig. Bis jetzt sind wir von Bed Bugs verschont geblieben, Mosquitos haben durch das Netz am Fenster keine Chance, dafuer flitzen im Sanitaerbereich die Gekkos herum.
Little India und China Town sind nur ein paar Strassen weiter, Maerkte, Standln und Shops liegen ums Eck und auch all die anderen sehenswerten Dinge sind gut zu Fuss erreichbar.
Mit dem Bus fahren wir nach Air Itam und besichtigen den Kek-Lok-Si-Tempel, der 1890 in 20-jaehriger Bauzeit erbaut wurde. Und auch heute noch ist durch staendige Erweiterungen kein Baustillstand in Sicht. Der Name des Tempels lässt sich mit "Tempel des Höchsten Glücks" übersetzen. Man kennt ihn auch unter dem Namen "Tempel der 10.000 Buddhas". Er gilt als der größte buddhistische Tempel Malaysiens und wir finden, man sollte eher von einer Tempelanlage sprechen!
Die Gebaeude sind den Hang hinaufgebaut und bieten einen wunderbaren Blick auf den Stadtteil und das Meer. Wir spazieren herum, zuenden Kerzerl an und lassen Wuensche dort, opfern dem Buddha eine Lotusblume, beschreiben einen Dachziegel mit unseren Gedanken und finden unser chinesisches Tierkreiszeichen heraus. Die "Kuan Yin", eine 30 m hohe Bronzestatue bekommt gerade eine neue Dachkonstruktion als Schutz.
Entsetzt sind wir ueber den Liberation Pond, einen Teich, in dem Massen an Schildkröten gehalten werden. Spaeter lesen wir darueber, dass der Tempel sich damit das eigene Karma aufbessern will.
Am Sonntag besuchen wir den Gottesdienst in einem Hindutempel. Wir sitzen, wie die meisten am Boden, hoeren den Gesaengen zu und manche Mantras kommen uns sogar bekannt vor. Nach der Festlichkeit sind wir zum traditionellen, indischen Mittagessen eingeladen - dort kann jeden Sonntag kommen wer mag und Hunger hat. Die Menschen sind sehr freundlich und zuvorkommend und wir sind nicht die einzigen Europaeer.
Auch eine Tuk Tuk Fahrt "leisten" wir uns. Wir fahren in der Daemmerung eine Stunde durch die Stadt, durch einsame Gaesslein, vorbei an Moscheen, aber auch christlichen Kirchen, durch Little India und machen Halt in einem alten Dorf von Georgetown, das komplett auf Pfaehlern gebaut ist, und wie Venedig ueber dem Wasser "schwebt". Schaut euch am besten das Video an!
Alles faehrt Motorrad - Alt und Jung, mit und ohne Helm oder auch nur ein aufgesetzter "Topf", allein, aber auch zu viert, Kinder stehen generell vor den Eltern und halten sich am Lenker fest, es wird telefoniert, aber auch mit Kruecken gefahren.........der Leispruch lautet: Wer bremst, verliert! Fuer uns unvorstellbare Dinge werden mit den motorisierten Zweiraedern transportiert - Riesenkoerbe mit Inhalt, Staubsauger, gleich mehrere Riesengasflaschen, Berge an gefalteten Kartons, teilweise ist das Fahrzeug das Bussiness - z.B. Essstandl..........
Seit der Kollonialisierung spukt in den Koepfen der Asiaten, so aussehen zu wollen, wie wir Europaeer, um angenommen zu werden. Es ist unglaublich, was wir alles zu sehen bekommen: Whitening-Hautcremes, Spangen zum Augen und Mund vergroessern, sehr viele Menschen laufen, um ihre "noble Blaesse" zu behalten mit einem "Regenschirm" herum und wie auch bei uns werden hier Schoenheitsoperationen zwecks der asiatischen Merkmale angeboten. Bei uns ist es umgekehrt, jeder will braun werden. Die Kosmetikindustrie freut sich, weil auf beiden Erdseiten niemand zufrieden ist und sie uns das Entsprechende verkaufen kann.
Die Cameron Highlands wurden 1885 entdeckt und liegen zwischen unzähligen Erdbeer- und Teeplantagen im malaysischen Hinterland auf ca. 1500m. Aufgrund dieser Höhenlage bieten sie ein vergleichsweise sehr angenehmes Klima - ca. 25 Grad untertags und eine gute Abkühlung in der Nacht.
Hier verweilen wir fast drei Wochen, lassen es uns im Father's Guesthouse, einem sehr freundlichen und gut organisierten Unternehmen gut gehen, essen uns durch verschiedene Kulturen und müssen uns im Endefekt doch immer wieder eingestehen, dass uns das indische Essen am Besten schmeckt. Vegeterian Banana Leaf — auf einem Bananenblatt ein Haufen Reis, verschiedenste angerichtete Gemüsesorten, eine Art Brot, scharfe Saucen und Dhal - und das um ganze 5 RM (1 Euro).
Nebenbei machen wir einen Ausflug zur größten Blume der Welt, machen einen kleinen Rundgang in einm Dorf der "Orang Asli" (so werden die "Ureinwohner" genannt), fahren zu BOHs Teeplantagen (hier wurden die Blätter bis 1987 noch per Hand gepfückt) und sind ein wenig traurig über den nebligen Ausblick am höchsten Punkt der Highlands.
Francis, unser einheimischer Guide klärt uns über die Pflanzen und deren Besonderheiten auf - wir sind uns wie im Biologieunterricht vorgekommen - Frage- und Antwortspiel :O)
Es gibt über 180 verschiedene Ingwersorten, viele verschiedene wilde Orchideen, importierte Manukasträucher aus Neuseeland, wir rochen an Zimt- und Tigerbalmpflanzen und steckten unsere Finger in fleischfressende Blüten :O(
In der Kolonialzeit gab es viele Malariatote, darum wurden Mengen an Eukalyptusbäumen gepflanzt, um die Feuchtigkeit aus dem Boden zu bringen, um so der Zezefliege den Kampf anzusagen, was auch funktionierte.
Nach einem Besuch in der 5km entfernten Nachbarortschaft Brinchang waren wir um einiges an Wissen reicher. Wir leisteten uns um ganze 6 RM - also gut 1 Euro :O) ein Taxi und lernten dadurch einen hier gebürtigen, sehr engagierten Hindu kennen. Für ihn ist die Veränderung der Highlands in den letzten 25 Jahren sehr schwer mitanzusehen und er engagiert sich bei REACH (Regional Environmental Awareness for Cameron Highlands), einer Umweltorganisation in dieser Gegend. Er erzählt uns, wie sehr sich der Tourismus in den Vordergrund gedrängt und sich somit auch das Klima verändert hat. Es gibt Menschen (wie überall), in deren Augen das Dollarzeichen leuchtet und die dann alles andere vergessen. Es werden Megaresorts mit bis zu 20 Stockwerken gebaut, der Verkehr wird immer mehr und die Klimaveränderung greifbar. In seiner Kindheit brauchten die Plantagen noch keine Überdachung, es hat mindestens einmal am Tag geregnet und man hatte, ohne Feuer zu machen,
Probleme, durch die hohe Luftfeuchtigkeit die Kleidung trocken zu bekommen. Auf dem Schulweg wuchsen unzählige Früchte zum Naschen und im Busch musste man sich vor vielen gefährlichen Tieren, unter anderem auch vor Pantherm fürchten - All of them are gone now ...
In Brinchang spazieren wir herum, besuchen einen chinesischen, einen buddhistischen und einen hinduistischen Tempel, versuchen uns im Cactusvalley an den heimischen Erbeeren und lassen uns beim Nightmarket von Köstlichkeiten verführen.
Malaysien wird von den Einheimischen und vom Tourismusverband als "Truly Asia" bezeichnet, weil hier so gut wie alle groesseren Kulturen und Religionen Asiens zusammengewuerfelt sind.
Kuala Lumpur steht fuer dieses Multikulti und bietet dem Islam, dem Hinduismus, dem Buddhismus und anderen traditionellen chinesischen Glaubensrichtungen reichlich Platz, um mit ihren Tempeln und Moscheen ihrer eigenen Religion nachzugehen. Auch das Christentum hat sein Platzerl, ist aber bei Weitem nicht so verbreitet wie die anderen Religionen.
Nach einem achtstuendigen Flug von Melbourne nach Kuala Lumpur war die Ankunft wie ein Schlag! Jetlag, Klima- und Kulturwechsel, der fast schlaflose Flug und dann noch sechs Stunden auf's Zimmer warten machten uns den ersten Tag nicht gerade einfach. Aber ab dem naechsten sind wir schon voll im Geschehen und Asien beginnt uns zu gefallen. An die Stehklos ohne Klopapier, dafuer mit Wasserschlauch zum Hinternauswaschen muessen wir uns erst gewoehnen. Unser Bett haben wir bereits mit ein paar Bettwanzen geteilt, die bei Karo gleich ein paar hundertmal zugestochen haben.
Wir durchkaemmen die Stadt, lassen uns von Chinatown beeindrucken. Der Central Market hat weniger geboten, als er versprochen hat, dafuer war das Touristen-Info-Center wie Disneyland, die Petronas Twins megariesig und die Einkaufszentren so unglaublich gross, dass wir uns mit der SCS verstecken koennen :-). Die ist dagegen ein Kramerladen :-)!
Wir haben in einem Hintergasserl im Golden Triangle Bezirk gewohnt. Diese Gegend hat sich in den letzten Jahren zu einem neuen Entertainment- und Shopping-Disctrict entwickelt. Irgendwie kommt uns ein wenig vor, dass sie mit KL das gleiche vorhatten, wie mit Dubai, nur dass ihnen hier die Rechnung nicht aufgegangen ist.
Das Wellness-Programm nuetzen wir natuerlich auch, von Fussreflexzonenmassage, Pedikuere, Body-Scrub, Body-Mask und viele andere Massagen, aber das war noch lange nicht alles ...
Da uns die symbolischen Anleihen bei Satyananda Yoga aus dem Hinduismus ziemlich gefallen, machen wir auch einen tollen Ausflug zu den Batu Caves. Diese liegen etwa 40 Minuten mit dem Bus ausserhalb vom Stadtzentrum, aber die Fahrt zahlt sich auf jeden Fall aus. Bevor man in die beeindruckenden Caves, die 1878 entdeckt wurden, kommt, muss man 272 Stufen bewaeltigen. In der unglaublich riesigen Tropfsteinhoehle findet man dann einige Hindu-Shrines mit ihren wunderbaren Figuren und reichlichst mit Blumen geschmueckt.
Um die Masjid Sultan Salahuddin Abdul Aziz Shah - kurz Blue Mosque zu sehen waren wir sogar laenger unterwegs. Die Moschee wurde erst in den 80er-Jahren gebaut, rundherum sprossen zur selben Zeit Hochhaeuser, Hotels und Shopping-Malls aus dem Boden. Heute, ca. 30 Jahre spaeter, steht vieles leer, sieht sehr unbewohnt und heruntergekommen aus. Die Moschee, in der bis zu 16.000 Personen Platz finden, befindet sich exakt im Herzen des Stadtteils Shah Alam.
Alles in allem ist KL pingelig herausgeputzt und wenn du um die naechste Kurve schaust, sieht alles wieder ganz anders aus. Die Bandbreite zwischen Arm und Reich in Asien kann man sich kaum vorstellen, wobei das hier in Malaysien ja noch vergleichsweise harmlos ist.
Alles versucht sich an die westliche Welt anzupassen. Und der Westen hilft fleissig mit (mit viel zu vielen McDonald's-, KFC- und Starbucks-Filialen).
Weitere Fotos wie immer auf Flickr.
























